Wobbly Blue MarbleDie Erde, erklärt für neugierige Kinder. English

Grosse Frage

Warum gibt es Jahreszeiten?

Jahreszeiten entstehen, weil die Erdachse um etwa 23,5 Grad geneigt ist, sodass sich verschiedene Teile des Planeten der Sonne zu- oder abwenden, während die Erde sie umkreist. Das liegt nicht an der Entfernung zur Sonne – die Erde ist Anfang Januar sogar am nächsten an der Sonne.

Eine geneigte, nicht gerade Achse

Die Erde dreht sich beim Umkreisen der Sonne nicht ganz aufrecht; ihre Achse, die gedachte Linie von Pol zu Pol, ist um etwa 23,5 Grad geneigt. Weil diese Neigung während des ganzen Jahres ungefähr in dieselbe Richtung im Raum zeigt, wendet sich mal der eine, mal der andere Teil der Erde der Sonne stärker zu, je nachdem, wo sie sich gerade auf ihrer Jahresbahn befindet. Wenn sich deine Hemisphäre der Sonne zuneigt, trifft das Sonnenlicht direkter und für mehr Stunden am Tag auf, was Sommer bringt, und ein halbes Jahr später, wenn sich dieselbe Hemisphäre abwendet, kommt das Licht flacher und kürzer an, was Winter bringt.

Es geht nicht um die Entfernung

Eine verbreitete, aber falsche Vorstellung ist, der Sommer entstehe, weil sich die Erde der Sonne nähert, und der Winter, weil sie sich entfernt. Tatsächlich ist die Erdbahn nur ganz leicht oval, und die Erde ist der Sonne Anfang Januar, dem sogenannten Perihel, sogar am nächsten – mitten im Winter der nördlichen Hemisphäre. Würde die Entfernung zur Sonne die Jahreszeiten bestimmen, hätten beide Hemisphären gleichzeitig Sommer und Winter, doch das ist offensichtlich nicht so: Während Menschen in Europa im Dezember Schnee schaufeln, liegen Menschen in Australien am Strand, was nur Sinn ergibt, wenn man die Achsneigung statt der Entfernung als eigentliche Ursache versteht.

Gegensätzliche Jahreszeiten, derselbe Planet

Weil sich Nord- und Südhalbkugel zu unterschiedlichen Zeiten im Jahr der Sonne zuneigen, erleben sie zur gleichen Zeit gegensätzliche Jahreszeiten. Neigt sich die Nordhalbkugel der Sonne zu und geniesst Sommer, etwa von Juni bis August, wendet sich die Südhalbkugel ab und hat Winter, und um den Dezember herum passiert das Umgekehrte. Orte direkt am Äquator neigen sich kaum zur Sonne hin oder von ihr weg, weshalb sie über das Jahr nur kleine Veränderungen bei Tageslicht und Temperatur erleben und stattdessen oft Regen- und Trockenzeiten statt der vier Jahreszeiten kennen, die weiter nördlich oder südlich üblich sind.

Probier es selbst

Leuchte mit einer Taschenlampe auf einen geneigten Globus oder einen Ball mit einem schräg hineingesteckten Stab und führe die Lampe langsam darum herum, während die Neigung immer in dieselbe Richtung zeigt. Beobachte, wie mal die eine, mal die andere Hälfte direkteres Licht bekommt.

Fragen, die Kinder stellen

Entstehen Jahreszeiten, weil die Erde der Sonne näherkommt?

Nein, Jahreszeiten entstehen nicht durch die Entfernung der Erde zur Sonne, sondern weil die Erdachse geneigt ist, sodass sich im Jahresverlauf mal die eine, mal die andere Hemisphäre der Sonne zuwendet. Die Erde ist der Sonne während des nördlichen Winters sogar am nächsten.

Warum sind die Jahreszeiten auf Nord- und Südhalbkugel gegensätzlich?

Die Jahreszeiten sind gegensätzlich, weil sich die eine Hemisphäre automatisch abwendet, während sich die andere der Sonne zuneigt, bedingt durch die feste Achsneigung der Erde. Deshalb kann in Australien Sommer sein, während in Europa Winter herrscht.

Wie stark ist die Erdachse geneigt?

Die Erdachse ist um etwa 23,5 Grad gegenüber der Senkrechten zu ihrer Bahn um die Sonne geneigt. Diese Neigung ist der Hauptgrund, warum die Erde vier deutliche Jahreszeiten hat statt eines gleichbleibenden Klimas.